Beinwell – Der verleumdete Wohltäter und ein Tausendsassa

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Der Beinwell, eine fast vergessene Pflanze, die die Geschäfte der Pharmaindustrie störte (Bild: pixabay, gemeinfrei)

von Niki Vogt

Die hübsche und anspruchslose Pflanze mag es feucht. Auf feuchten Wiesen und an Bächen sieht man von weitem schon die halbhohen buschartigen Pflanzen mit ihren rot-pinken Blüten von Mai bis September. Bis zu einem Meter hoch können die Triebe wachsen. Der Beinwell besitzt einen dicken, saftigen Wurzelstock, der außen schwärzlich, aber innen ganz hell ist, fast weiß. An den Blütenständen rollen sich nacheinander, kopfunter hängend, die kleinen Glocken auf, aus denen der Stempel herausschaut. Beinwell hat eine borstige Behaarung, ähnlich wie der für Salate beliebte Borretsch (er ist tatsächlich verwandt mit dem Beinwell). 

Die Heilpflanze Beinwell hat in der Medizin eine über 2000 Jahre alte Geschichte. Schon Dioskurides und Hildegard von Bingen wussten um ihr Wirken. Der Name ist Programm, der Wortteil „Bein“ kommt von Knochen. Im Englischen heißt Knochen „bone“ und man hat auch heute noch den Spruch, dass jemand „Stein und Bein schwört“. Also auf etwas sehr hartes, nämlich Steine und Knochen. Das wir heute im Deutschen das Wort „Bein“ für unsere Gehwerkzeuge benutzen, ist noch gar nicht so lange. Alte Friedhöfe haben beispielsweise ein „Beinhaus“, in dem die Schädel und Oberschenkelknochen von Verstorbenen nach Ablauf ihrer Ruhezeit im Boden aufbewahrt werden. Also, kurz und gut, diese Pflanze ist ein wunderbares Naturheilmittel für alle Knochen und Gelenkprobleme. Und das besagt auch der zweite Teil, das „Well“. Im Englischen hat das Wort „well“ die Bedeutung Gesund und gut. Wir benutzen ja auch heute den Begriff „Wellness“.

 

Medizinisch wirksam sind vor allem die Wurzeln der Pflanze, daneben aber auch ihre Blätter. Alle Pflanzenteile sind darüber hinaus in Maßen ess- und genießbar und besitzen einen würzigen, leicht bitteren Geschmack, der sich vor allem durch die Gerbstoffe erklären lässt. der wichtigste Wirkstoff ist das Allantoin. Dieser Stoff findet auch in der Kosmetik Verwendung und ist bekannt für seine beschleunigende Wirkung auf Zellaufbau und Zellwachstum. Außerdem fungiert Cholin als die Durchblutung fördernder Stoff.

Weitere Stoffe, die zu der hohen Wirksamkeit des Beinwell beitragen, sind Rosmarinsäure gegen Entzündungen, sowie mehrere entzündungshemmende Schleim- und Gerbstoffe. Dazu kommen noch antibiotische (Erreger tötende)und antimykotische (pilzabtötende) Terpene und Kieselsäure, Ätherische Öle und Pyrrolizidin-Alkaloide. Es ist ja oft so, dass die modernen Mittel – selbst wenn sie natürliche Heilpflanzen verwenden, meist nur einzelne Stoffe daraus extrahieren und die oft höher dosieren, dass aber gerade der gesamte Kanon der Wirkstoffe aus der Pflanze wesentlich sanfter und umfassender wirkt.

Beinwell wirkt aber bei fast allem als sehr heilkräftig. Er ist „aus der Mode gekommen“, um es vorsichtig zu sagen, weil bestimmte Pharma-Hersteller ihn als überlegene Konkurrenz sahen, denn er kostet nichts und wirkt genauso gut, wie die teuren und nicht immer unschädlichen Pharmazeutika. Das hat eine Studie sogar wissenschaftlich festgestellt:

Comfrey extract ointment in comparison to diclofenac gel in the treatment of acute unilateral ankle sprains (distortions)

Hier wurde die Wirkung der Pflanze mit der Substanz „Diclofenac“ (bekannt aus „Voltaren“) verglichen, und siehe da, der Beinwell konnte das genauso gut, nur mit weniger Nebenwirkungen.

 

Dass der Beinwell, früher in jedem Bauerngarten und in der Antike schon bekannt und eines der wichtigsten Heilmittel, wurde erst in der Neuzeit durch eine skandalisierende Kampagne aus den Hausapotheken verjagt. Das wird unten im dem eingebetteten Video sehr gut erklärt. Es ist kostenlos, wirkt und man muss es auch nicht ständig nachkaufen und verschrieben bekommen. Keine Schnitte für die Pharmaindustrie.

UND: Beinwell ist auch sehr wirksam als Tee gegen Lungeninfekte und Darmerkrankungen. Hier ist es als Anfänger aber dringend angebracht (wie bei allen oralen Anwendungen), Fertig-Präparate von Naturheilmitteln oder auf die Zubereitung durch einen guten Apotheker zurückzugreifen. Nur, wenn Du weißt, was Du da tust, solltest Du Dir selber Heilmittel brauen. Es gibt nämlich etwas, wie „therapeutische Breite“. Das bedeutet Dass man wissen muss, wieviel von einem Wirkstoff eingesetzt werden muss bei wieviel Körpergewicht und mit Rücksicht auf den Zustand des Patienten. 

 

Bei einer „engen therapeutischen Breite“ muss man sehr genau wissen und abmessen, denn ein ein bisschen zu wenig und es wirkt nicht, aber ein bisschen zuviel und der Patient wird schwer geschädigt oder stirbt. Eine große therapeutische Breite bedeutet, man kann das großzügiger handhaben, es muss schon viel zu viel sein, um, zu schaden und schon kleinere Mengen helfen auch ein bisschen. Beispiel: Kamillentee kann man ziemlich viel von trinken. Den muss man schon kannenweise in sich hineinschütten um Probleme zu bekommen. Aber auch eine Tasse davon wirkt wohltuend. Anders zum Beispiel Digitalis (aus Fingerhut), ein sehr wirksames Herzmittel, was früher sehr verbreitet war. Ein bisschen zu wenig bringt nichts, ein bisschen zuviel ist lebensgefährlich.

Geh also lieber zu einem Apotheker oder kaufe ein fertiges Beinwell Produkt für Deine Zwecke. Aber Du wirst feststellen, dass viele Apotheker sich geradezu begeistert daran machen, einmal wieder etwas herzustellen, was eigentlich ihr Beruf ist und nicht immer nur Pharmaprodukte zu verkaufen.

Hier ist das Video über Beinwell.

Es gibt auch Beinwell im Netz zu kaufen. Als Samen oder fertige Pflanzen. Vielleicht magst Dudas Wunderkraut mit allen seinen tollen Eigenschaften ja in deinem Garten willkommen heißen?